EF – 25.08.2018 – Christopher Street Day und der dritte Weg !

Auch wenn der dritte Weg zum Christopher Streetday eine Kundgebung auf dem Anger angemeldet hat, lasst Euch nicht unterkriegen … Unsere Party ! Unser Spaß ! Euer Albtraum !

Erfurt braucht ein queeres Zentrum

In Erfurt mangelt es an Orten, wo die Community sich vernetzen kann. Beratung, Unterstützung beim Coming Out, Ansprechpartner*innen für alltägliche Diskriminierungserfahrungen sind nicht sicht- und erfahrbar. Selbsthilfegruppen versuchen diese Leerstellen zu füllen, sind dabei aber oftmals an das ehrenamtliche Engagement von Einzelnen gebunden. Dieser Zustand ist aus unserer Sicht in einer Stadt wie Erfurt nicht länger tragbar: Erfurt braucht ein kommunales Angebot mit städtischer Förderung, welches kontinuierliche Unterstützung für Menschen aus der queeren Community bietet und dabei die Wünsche und Anforderungen aus unserer Community berücksichtigt und umsetzt!

Blutspende für alle gleichermaßen ermöglichen

Im Mai 2015 urteilte der Europäische Gerichtshof, dass ein genereller Ausschluss bi- und homosexueller Männer von der Blutspende nicht zulässig ist, soweit etwa über Tests oder Befragungen ein Infektionsrisiko ausgeschlossen werden kann. Im August 2017 wurde das Blutspendeverbot “gelockert“ – Blutspenden von Männern, die (auch) Sex mit Männern haben, sind nun nach einem Jahr ohne jeden Sexualkontakt möglich. Diese Neuregelung ist eine Verhöhnung und fortgesetzte Diskriminierung: Es muss ausschließlich auf die Frage eines verantwortungsbewussten Sexualverhaltens der Spendenden geachtet werden anstatt einer Personengruppe prinzipiell ein Risikoverhalten zu unterstellen.

Volle Anerkennung aller Familienformen

Das traditionelle Familienbild von Mutter, Vater und Kind(ern) spiegelt nicht mehr die gesellschaftliche Realität wider. Millionen Menschen entscheiden sich gegen dieses konservative Familienbild, auch weil es oftmals mit einem stereotypen Rollenverständnis verbunden ist. Für uns ist Familie dort, wo Menschen aus Liebe zueinander füreinander und ggf. auch für Kinder und die eigenen Eltern Verantwortung übernehmen. Alle diskriminierenden Bestimmungen, die ausschließlich die traditionelle heteronormative Familie stützen, sind deshalb zu überwinden und aufzuheben.

Religionsfreiheit darf nicht in andere Menschenrechte eingreifen

Immer wieder führen religiöse Ansichten und Interpretationen zur Benachteiligung von Schwulen, Lesben, bi-, trans*- und intergeschlechtlichen Menschen. Das kirchliche Arbeitsrecht entzieht queeren Menschen die berufliche Grundlage. Mit sogenannten Reorientierungskursen versuchen selbsternannte Heiler Menschen zu „heterosexualisieren“. Morde im Namen eines vermeintlichen Religions- und Ehrverständnisses der Täter*innen bedrohen nicht nur selbstbestimmte Frauen, sondern ebenso queere Menschen.
Wir wollen mit unserer Forderung keineswegs Religionen oder den Glauben von Menschen diskreditieren, wir weisen aber jede Intention von Religionsgemeinschaften, Kirchen oder einzelnen Fanatiker*innen zurück, die die gesellschaftliche Position von queeren Personen schwächen oder diese Menschen gar vernichten wollen.

Artikel 3 des Grundgesetzes erweitern

In diesem Sinne ist es auch notwendig, das Verbot der Diskriminierung aufgrund der sexuellen und/oder romantischen Orientierung endlich in Artikel 3 des Grundgesetzes zu verankern. Dieser Schritt würde eine deutliche Verbesserung für die juristische Anerkennung in Fällen von Herabsetzungen queerer Menschen bedeuten und zugleich den Weg zu einer neuen gesellschaftlichen Debatte zu diesen Themen öffnen. Die vorhandene Formulierung im Artikel 2 (3) der Thüringer Landesverfassung muss entsprechend erweitert und endlich umfassende Umsetzung im Landesrecht finden.

Sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität und deren Verfolgung muss Asylgrund sein

Wir fordern ein umfassendes Recht auf Asyl bei jeglicher Art von Verfolgung und Diskriminierung. Es ist dringend geboten, auch Verfolgung aufgrund der sexuellen und/oder romantischen Orientierung oder geschlechtlichen Identität als Asylgrund zu berücksichtigen. Wir fordern deshalb, die Abschiebung von Menschen, die aufgrund ihrer Queerness Asyl suchen, unverzüglich zu stoppen und ihre Situation ernst zu nehmen. Dazu gehört auch, dass Geflüchtete, die aufgrund ihrer sexuellen und/oder romantischen Orientierung oder geschlechtlichen Identität Asyl suchen, eine geschützte Unterbringung erhalten.

Queere Realität in der Bildung aufzeigen

Auf vielen deutschen und auch Thüringer Schulhöfen ist die Formulierung „Du bist schwul!“ eine alltägliche Form der Beleidigung und zeigt die tiefe Verankerung von queerfeindlichen Einstellungen. Deshalb fordern wir die Vermittlung von queeren Perspektiven in allen Unterrichtsfächern, damit Vielfalt und Akzeptanz gegenüber queeren Menschen ein Grundbaustein in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wird.

Gesellschaftliche Teilhabe von HIV-positiven Menschen sichern

Die Diagnose HIV-positiv ist nicht nur für die Betroffenen ein oft persönlich niederschmetterndes Ereignis, sie ist auch der Beginn eines Verlustes gesellschaftlicher Teilhabe. Ob in der Arbeitswelt oder im Ehrenamt, bei der Auswahl möglicher Urlaubsziele oder sich abwendender Bekannter: HIV-positive Menschen werden noch immer vielfältiger Diskriminierung ausgesetzt. Neben der notwendigen gesellschaftlichen Debatte ist auch sicherzustellen, dass der Gesetzgeber im Rahmen seiner Möglichkeiten die Rechte von HIV-positiven Menschen sichert, etwa indem er der Polizei verbietet den personengebundenen Hinweis HIV-positiv zu speichern.

Anpassung des Gesundheitssystems an eine sexpositive Gesellschaft

Aufklärung, Vorsorge und Früherkennung können die Ausbreitung von sexuell übertragbaren Krankheiten eindämmen. Doch weder sind die entsprechenden Tests, noch Vorsorgemaßnahmen, wie die HIV-Prophylaxe eine Kassenleistung und müssen von den meisten Versicherten selbst bezahlt werden. In Zeiten, in denen Erreger, wie Gonokokken, starke Resistenzen entwickeln, muss damit endlich Schluss sein! Wir fordern, dass dieser Missstand mit einer Anpassung des Gesundheitssystems überwunden wird. Menschen sollen mit gutem Gewissen ihre Sexualität ausleben können und in einem verantwortungsvollen Umgang unterstützt werden.

Reform des Transsexuellengesetzes

Das Transsexuellengesetz gibt trans*-Personen die Möglichkeit, ihren Namen und ihren Personenstand zu ändern. Ein solches Verfahren kann jedoch Jahre in Anspruch nehmen und die Betroffenen vor große Belastungen stellen. So sind etwa zwei Gutachten dafür ausschlaggebend, ob eine Person die gerichtliche Erlaubnis zur Personenstandsänderung erhält. Weite Teile des Gesetzes von 1981 sind zudem durch Urteile des Bundesverfassungsgerichtes als verfassungswidrig eingestuft worden. Wir fordern deshalb ein modernes Gesetz zur geschlechtlichen Selbstbestimmung.

Geschlecht als vermeintlich „natürliches“ Identitätsmerkmal überwinden

Obwohl die Vielfalt der Geschlechter längst dokumentiert ist und auch das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil vom November 2017 dies bestätigt hat, klammern sich staatliche Institutionen und breite Teile der Wissenschaft und Gesellschaft noch immer an das binäre Modell von männlich und weiblich. Jede davon abweichende Selbstwahrnehmung wird somit als „anders“ und „fremd“ klassifiziert und abgewertet. Die real nicht existierende Binarität der Geschlechter muss deshalb auch in der gesellschaftlichen Praxis Schritt für Schritt überwunden werden. Ein wichtiger Schritt wäre dabei, den Geschlechtsvermerk in Personaldokumenten und Geburtsurkunden generell abzuschaffen.

Geschlechtsverändernde OPs und Behandlungen an intergeschlechtlichen Säuglingen und Kindern verbieten!

Seit den 1950er Jahren finden weltweit und auch in Deutschland geschlechtsverändernde Operationen an Säuglingen und Kindern, welche offensichtlich nicht der zweigeschlechtlichen Norm entsprechen, statt. Nicht nur das Selbstbestimmungsrecht der betroffenen Menschen wird dabei ignoriert, diese Eingriffe verursachen oft schwerwiegende physische und psychische Schäden. Dabei sind geschlechtsverändernde Operationen für das körperliche Wohlbefinden der behandelten Menschen in den allermeisten Fällen überflüssig. Wir fordern daher ein sofortiges Verbot aller geschlechtsverändernden Operationen und Therapien an intergeschlechtlichen Säuglingen und Kindern, soweit diese nicht dringend für das Wohlbefinden der Personen nötig sind!


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